08.02.2010  17:56 Uhr
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Frauen sind leidensfähiger
Reinhold Messner bei HIT RADIO FFH

Rhein-Main. Er ist der erste Mensch, der auf den Gipfeln der 14 „Achttausender“ stand: Reinhold Messner (65), Extrembergsteiger, Politiker, Autor, war am Sonntagvormittag (7. Februar) Gast der Talkshow „Silvia am Sonntag“ (9 bis 12 Uhr) beim hessischen Privatsender HIT RADIO FFH.

Messner sprach mit FFH-Moderatorin Silvia Stenger über seine Kindheit („ich war einer, der hinterfragt hat und angeeckt ist“), den tragischen Tod seines Bruders Günther vor 40 Jahren auf dem Nanga Parbat, Gipfel („das Schönste ist das Zurückkommen“), Fußball („Fußballspielen ist dem Menschen nicht angeboren, Klettern schon“ ... „mit Beckenbauer hätte ich nicht konkurrieren können“), Frauen („Matriarchat funktioniert eindeutig besser als Patriarchat“), das er vom Klettern träumt und vieles mehr. Im FFH-Gespräch mit Silvia Stenger sagte Reinhold Messner: „Ich war nicht besonders aufmerksam, aber einer der hinterfragt hat und angeeckt ist. Also das sage ich selbstkritisch, ich akzeptiere nicht, wenn mich jemand herum dirigieren will.“ Messner weiter: „Meine kleine Tochter ist jetzt sieben Jahre alt und völlig selbstbestimmt. Sie entscheidet, was sie tut, lässt sich von niemandem etwas sagen. Kürzlich hat sie gesagt, als ihre Mama schimpfte: Wenn es das Wort ‚ich will nicht, das tu ich nicht‘ nicht gäbe, dann hätte sie es erfunden. Sie hat viel von mir!“ Messner weiter: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die keine Macht über sich dulden, die wollen auch nach unten Macht nicht ausüben. Leute, die nach unten hin Macht ausüben, die ertragen Macht auch meist von oben, also, dass auf sie Macht ausgeübt wird.“ Messner schwärmte im FFH-Interview vom Ehrenpräsidenten des FC Bayern München, Franz Beckenbauer: „Fußballspielen ist dem Menschen nicht angeboren, Klettern schon, denn wir waren länger Affen als Menschen auf dieser Welt. Klettern war mir näher, es gab auch keinen Fußballplatz in meinem Dorf. Mit Beckenbauer hätte ich nicht konkurrieren können, der war so geschickt, so schnell, der war ein genialer Fußballer und das erkenne ich an. Ich mag ihn sehr gerne und habe natürlich auch als Kind geschaut, wie er spielt.“ Messner zu FFH: „Größere Nähe habe ich zu meiner Mutter, sie hat neun Kinder aufgezogen. Alle meine Brüder haben Doktortitel - außer mir. Sie hat viel Angst gehabt um mich und meinen Bruder, aber sie hat uns allen unsere freie Entwicklungsmöglichkeit gegeben. Auch bei mir zu Hause ist Matriarchat, das Matriarchat funktioniert eindeutig besser als Patriarchat.“ Dazu passend sagte Messner: „Frauen sind uns Männern in einigem voraus, auch beim Bergsteigen. In großen Höhen von 8000 Metern sind Frauen stärker als Männer, weil sie den Sauerstoff besser verwerten können, als wir Männer. Sie sind auch leidensfähiger. Die meisten Männer sind ja hypochondrisch veranlagt, bei ersten kleinen Wehwehchen meinen sie schon, es geht die Welt unter, Frauen halten viel mehr aus.“ Auch der Tod seines Bruders Günther vor 40 Jahren am Nanga Parbat war Thema im FFH-Gespräch. Reinhold Messner: „Ich lebe mit dieser Tragödie seit 40 Jahren. Sie ist die schlimmste Tragödie meines Lebens, ich bin oft zum Nanga Parbat gereist, um meinen Bruder zu finden. 2005 ist er gefunden worden, ich war auch dort, um ihn zu bestatten. Es ist doch so, dass wir eine Verpflichtung spüren, auf den jüngeren Bruder aufzupassen. Mir ist natürlich die Schuld geblieben, das ist eine emotionale Schuld, den Bruder am Ende aus den Augen verloren zu haben. Die Verantwortung liegt allein bei mir, ich frage mich, warum Dritte, die nicht dabei waren, irgendwas erfinden.“ Seit kurzem ist der Film von Joseph Vilsmaier zu dem Drama in den Kinos. Messner: „Als ich ihn zum ersten Mal sah, hat er mich sehr berührt, vor allem, wo wir gedreht haben, wo das Unglück passiert ist. Ich bin traurig darüber, dass der Vater und die Mutter das nicht mehr erleben können und im Film sehen können, wie ihr Sohn am Nanga Parbat gestorben ist. Ich glaube, dass ein Mensch lebendig bleibt, solange sich einer an ihn erinnert.“ Reinhold Messner zu FFH: „Nicht der Gipfel ist das Schönste, das Schönste ist das Zurückkommen, also das Herauskommen aus dieser menschenfeindlichen Welt. Es ist wie eine Wiedergeburt. Wir sind nicht umgekommen, das nackte Leben ist das Wertvollste, was wir Menschen zur Verfügung haben. Und da wir das nur nachher erkennen, sind wir sofort wieder bereit, loszuziehen. Ich glaube, dass der Mensch am Glücklichsten ist, wenn er sich ein bisschen mehr fordert als gestern, in welcher Sparte auch immer. Wir lernen nur beim Scheitern. Beim Erfolg wissen wir nicht genau, warum wir den Erfolg hatten. Der Erfolg hat viele Väter, beim Scheitern wissen wir meistens, was wir falsch gemacht haben. Ich bin vielmehr durch die gescheiterten Expeditionen weitergekommen, ich bin an den meisten Achttausendern gescheitert und ich bin stolz darauf! Je älter ich werde, desto weniger spüre ich den Erfolgsdruck. Alles Haben ist langweilig, sogar das Haben von Erfahrungen. Nicht langweilig ist das sich Schaffen von Erfahrungen und Freundschaften und das Umsetzen einer Idee in die Tat. Das ist das, was ich mit großer Begeisterung mache. Gar nichts tun ist schwer für mich. Ich muss immer etwas tun, mein Hirn ist immer am Arbeiten, auch nachts. Ich träume vom Klettern, ich steige, ich gehe, erlebe alles Mögliche. Es ist halt so. Ich bin jemand, der von der Aktion lebt. Wen man mich einsperrt, dann werde ich ein wildes Tier!“ Reinhold Messner im FFH-Gespräch: „Ich weiß, der Mensch kommt aus jeder Krise, aus jedem Loch. Der Sinn des Lebens fällt nicht vom Himmel, wir Menschen stiften Sinn, das ist unsere größte Fähigkeit, indem ich für eine Sache, für eine Person, mehr Begeisterung entwickle, als für ein anderes, stifte ich Sinn, wir stiften Sinn.“ Und Messer verriet: „Mein liebster Sänger ist Bob Dylan. Vor allem wegen seiner Texte. Er hat großartige Lieder gemacht.“ „Silvia am Sonntag – der Talk“: Jeden Sonntag spricht FFH-Moderatorin Silvia Stenger zwischen 9 und 12 Uhr mit Promis. Roger Willemsen, RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, Starkoch Johann Lafer, die Comedians Mario Barth, Vince Ebert und Cindy aus Marzahn, TV-Star Sonya Kraus und viele weitere Stars standen und stehen auf der FFH-Gästeliste der kommenden Wochen.

Weitere Informationen unter: www.FFH.de

Quelle: HIT RADIO FFH


 

(Redaktion)

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